workshop: Elektromagnetismus in der Kunst

Vom 09. - 11. Mai 2008 fand der  workshop "demons in the aether" des HMKV in Dortmund teil. Er wurde im Rahmen der Ausstellung "Waves" organisiert, der Seminarleiter war Martin Howse. Links zu einigen akustischen Ergebnissen gibt es hier.

In dem workshop ging es um die mögliche Verwendung von elektromagnetischen Wellen in der Kunst. Relativ schnell wurde klar

1. Begriffe wie (Nutz-) Signal, Rauschen, Verschmutzung, sind Interpretationen aus bestimmten Fragestellungen heraus (Was dem einen sein Rauschen ist dem Anderen sein Nutzsignal).

2. EM - Felder sind überall, als natürliche oder menschengemachte Phänomene. Auch der Beobachter und der Meßapparat sind Teil des Feldes und beeinflussen es, das Abhörmedium (Kopfhörer oder Aufnahmegerät) beeinflusst den Apparat, alles dreht sich um Übersetzung, Interpretation, Beeinflussung, Rückkopplung.

3. Die physikalischen Begriffe sind Modelle, die vorhersagen über EM Phänomene ermöglichen.Ihr Wesen ist nach wie vor ungeklärt.

4. Martin Howse: Die Dämonen im Äther sind wir.

Schon mit einfachen, kleinen Apparaten lassen sich EM - Phänomene hörbar machen. Im workshop hat jeder Teilnehmer zwei einfache Verstärker gebaut, die eine große Bandbreite an Wellen empfangen. Hörbar wird das Signal, was am Stärksten ist.

Brotdose

Schon mit diesen einfachen Werkzeugen waren erstaunliche Ergebnisse möglich. Schalttafeln, Sicherungskästen, Mobiltelefone, Labtops ticken, rauschen und pfeifen auf charakteristische Art, manche Stellen in der Phoenixhalle erwiesen sich als Fundgruben für unerklärliche Rauschorgien.

Auch die Limitierungen wurden deutlich: das 50 Hertz Netzbrummen war allgegenwärtig, außerhalb der Halle waren Radiosignale aufgrund der Nähe zum Dortmunder Fernsehturm unvermeidlich. An einem weiteren Versuchspunkt, dem Dortmunder U, überstrahlten die Richt- und Mobilfunksender des benacbarten telekomgerbäudes alle sonstigen Emissionen. Das simple Funktionsprinzip des Verstärkers fungiert auch grobes Meßgerät, wer sendet am Stärksten?

EM sniffing am Hochofen

Für die künstlerische Arbeit ergibt sich für mich: Die Feldforschung ist sehr spannend. Ist ein guter Ort gefunden, ergeben schon minimale Positionsänderungen von Antennen- oder Spulenausrichtung teilweise drastische Modulationen im Signal, musikalische Improvisation macht dann sehr viel Spaß. Mein Gehirn begab sich bereitwillig in einen Zustand überhöhter Aufmerksamkeit, das anschließende Fiepen im Ohr empfand ich als Belohnung und Beweis für die soeben gemachte akustische Grenzerfahrung. Performativer Einsatz
kann also spannend sein, ist aber auch mit vielen Unwägbarkeiten verbunden. Wer weiß schon im Voraus, welche Strahlungssituation ihn am Auftrittsort erwartet?

Ob das akustische Material auch im nachträglichen Hören spannend ist möge der geneigte Leser an den nachfolgenden links zu einigen Aufnahmen des Wochenendes überprüfen. Für welche Arten der nachträglichen Bearbeitung es sich eignet, daß mag herausfinden wer will, die Aufnahmen sind dafür freigegeben.

Autor: Holger Schwetter

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